Ein umfassendes Informationskonzept für eine leisere und sicherere Intensivstation

Neben einer stressfreieren Umgebung für Patienten und deren Besuchern sieht Erik Koomen, Anästhesist und Intensivmediziner für Kinder am Academic Medical Center in Utrecht, Niederlande, in der leisen Intensivstation (ITS) einen wichtigen Schritt hin zu besseren Arbeitsbedingungen für medizinisches Fachpersonal. Dies soll über einen umfassenden Ansatz geschehen, ähnlich wie im gewerblichen Luftverkehr, um Informationsüberflutung und Alarmmüdigkeit zu beseitigen.

„Anstatt dass jedes Gerät sein Alarmsignal direkt am Krankenbett abgibt, sollten die Alarmsignale sämtlicher Geräte an jedem Patienten und patientenübergreifend in einer Gesundheitseinrichtung integriert, priorisiert und optimiert werden. Das verbessert die Alarmqualität, optimiert den Arbeitsablauf und reduziert die Anzahl der Alarmsignale“, sagt Erik Koomen.

Auf modernen Intensivstationen ist eine Vielzahl medizinischer Geräte zur Patientenüberwachung, Medikamentenverabreichung und mechanischen Beatmung im Einsatz. Da jedoch alle diese Geräte unabhängig voneinander ohne Koordination bzw. Priorisierung Alarmsignale ausgeben, besteht die Gefahr, dass durch diese Kakophonie unwichtige Alarmsignale die Patienten und deren Besucher beunruhigen und wichtige Signale übertönen.

Auf dieses Problem wird in einer aktuellen US-Studie an einem einzelnen Krankenhaus mit 77 Intensivbetten hingewiesen. In einem einzigen Monat wurde dort die ungeheure Menge von 2.558.760 einzelner physiologischer Alarmsignale verzeichnet.1

„Im modernen Luftverkehr umfasst das akribische Alarmsystem für den Piloten alle Flugzeugsysteme. Die Alarmsignale werden hierarchisch geordnet, wobei viele Ereignisse nur als „Vorsichtshinweise“ oder „Mitteilungen“ auf einem Bildschirm, doch ohne hörbares Alarmsignal angezeigt werden“, erklärt Erik Koomen. „Das hilft Piloten, sich auf das Fliegen des Flugzeugs zu konzentrieren, anstatt kontinuierlich von Alarmsignalen abgelenkt zu werden.“

Er führt weiter aus: „Bei der Umsetzung dieses Konzepts auf die Umgebung in der ITS haben wir überlegt, welche Informationen wichtig sind, um zu verstehen, was bei unseren Patienten abläuft, damit wir ihre Genesung auf sichere Weise begleiten können. Besteht keine Gefahr, können die Information verborgen oder über stumme Benachrichtigungen übermittelt werden, wodurch eine heilungsfördernde und ruhige Patientenumgebung geschaffen wird.“

Ein Alarmton in einem Patientenzimmer, ohne dass eine medizinische Fachkraft anwesend ist, ist eine unnötige Störung für den Patienten und dessen Angehörige. Stattdessen sollten die Benachrichtigungen direkt zu der richtigen Pflegekraft geleitet werden.

Gemeinsam mit seinen Industriepartnern hat Getinge ein Demokonzept umgesetzt, das die Vorteile einer leisen ITS aufzeigt.

„Für einen Abschied von eigenständigen Geräten ist die Kooperation zwischen den betroffenen Parteien erforderlich. Genauso wie Piloten und Ingenieure zusammen das Cockpit eines modernen Linienflugzeugs konzipiert haben, müssen medizinische Fachkräfte, Patienten, Gerätehersteller und Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um eine ITS zu schaffen, in der alle Geräte in einem Netzwerk verbunden sind. Dann können Patienteninformationen effizient integriert, priorisiert und optimiert werden“, sagt Erik Koomen.

Und resümiert abschließend: „Wenn uns dies gelingt, erhöhen wir die Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung und verbessern die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals.“

 

1. Drew BJ, Harris P, Zegre-Hemsey JK, et al. Insights into the problem of alarm fatigue with physiologic monitor devices: a comprehensive observational study of consecutive intensive care unit patients. PLoS One 2014;9:e110274.