Entwicklung von lebensrettenden Therapien

Der schwedisch-kanadische Wissenschaftler Christer Sinderby hat die patentierte neural regulierte Beatmungsunterstützung (NAVA) von Getinge entwickelt. Durch die Nutzung des patienteneigenen Atemantriebs zur Steuerung der Beatmungsunterstützung hat NAVA die mechanische Beatmung auf ein völlig neues Niveau angehoben und konnte zur Rettung des kleinsten Frühchens der Welt beitragen.

Christer 1200x600„Es geht hier sozusagen um das EKG der Atmung“, erklärt Sinderby. „NAVA bei der mechanischen Beatmung zu verwenden, ist, als hätte man beim Abhören des Herzens ein Stethoskop mit EKG. Beide nutzen elektrische Signale und arbeiten präziser.“

Luftströme haben das Leben von Christer Sinderby seit jeher bewegt. In seiner Jugend konnte er dank seines Talents, mächtige Seewinde für sich zu nutzen, mit den besten Windsurfern der Welt konkurrieren.

Christer 250  1Als Wissenschaftler hat ihm und seiner Frau Jennifer Beck die Fähigkeit, wenige Milliliter Luft kontrolliert in die winzigen Lungen eines Frühchens abzugeben, in der gesamten medizinischen Fachwelt Respekt eingebracht. Vor Kurzem hat NAVA maßgeblich zur Rettung eines japanischen Frühchens beigetragen, das bei seiner Geburt lediglich 258 Gramm wog.

„Es liegt auf der Hand, dass es nicht leicht ist, ein Beatmungsgerät auf schnelle Atemzüge mit einem Tidalvolumen von lediglich 2-3 Millilitern Luft abzustimmen. Es ist uns gelungen, den eigenen Atemantrieb des Babys zu nutzen, um diese Abstimmung zu erreichen“, so Sinderby. „Das Schöne an der NAVA-Technologie ist, dass sie alle Arten von Patienten beim Atmen unterstützt; unabhängig davon, ob es sich um ein winziges Frühchen mit einem Gewicht von wenigen Hundert Gramm oder um einen übergewichtigen 90-Jährigen handelt.“

Die NAVA-Technologie wurde seit ihrer Entwicklung Mitte der 90er Jahre ausschließlich von Getinge eingesetzt. Seit 2003 arbeitet Christer Sinderby als Wissenschaftler am Keenan Research Centre for Biomedical Science an der Universität von Toronto in Kanada.

„Im Prinzip stellt die NAVA-Technologie eine Verbindung zwischen dem Gehirn des Patienten und dem Beatmungsgerät her“, erklärt Sinderby. „Das Gerät nutzt dieselben elektrischen Signale, die das Zwerchfell aktivieren, um den Rhythmus, die Tiefe und die Dauer unserer Atemzüge zu steuern. Das bedeutet, dass das Beatmungsgerät durchweg vollständig auf die Atemanstrengungen des Patienten abgestimmt ist.“

Die elektrische Entladung des Zwerchfells wird von einem besonderen Edi-Katheter erfasst, der in die Speiseröhre gelegt wird und zugleich als Sonde zur künstlichen Ernährung dient.

„Da es sich um das patienteneigene physiologische Signal handelt, welches das Tidalvolumen und das Atmungsmuster steuert, fördert die NAVA-Technologie die lungenschonende Spontanatmung und reduziert die Gefahr, zu viel oder zu wenig Luft in die Lungen abzugeben. NAVA liefert lediglich das, was der Patient wünscht.“

Christer 250  2Sinderby fügt hinzu: „Bei der herkömmlichen mechanischen Beatmung ist es häufig einfacher, einen Patienten, der sich nicht wohl fühlt, mit einer Sedierung „herunterzufahren“, anstatt das Beatmungsgerät so fein zu justieren, dass es das richtige Tidalvolumen in der passenden Frequenz abgibt. Das wollen wir vermeiden.“

Unabhängig von Leckagen erleichtert die NAVA-Technologie zudem die nicht-invasive Beatmung mit Nasenmasken oder Nasenbrillen. Das ist für den Patienten im Vergleich zur Intubation eine sehr viel komfortablere Lösung.

1999 war die Innovation der NAVA-Technologie derart bemerkenswert, dass sie in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht wurde.

„Ich denke, dass wir nach wie vor die einzigen Wissenschaftler sind, die sich auf die darin veröffentlichte Beatmungstechnologie konzentrieren“, so Sinderby.

Christer Sinderby und Jennifer Beck möchten sich auch in Zukunft der Verbesserung der mechanischen Beatmungsgeräte von Getinge widmen.

„Unser Schwerpunkt liegt auf Beatmungslösungen, die erst in fünf bis zehn Jahren auf den Markt kommen werden. Das Durchhaltevermögen von Getinge bezüglich der langfristigen Entwicklung, die im Rahmen der medizinischen Forschung notwendig ist, hat den Weg für eine Partnerschaft mit gegenseitigem Respekt für die unternehmerische und wissenschaftliche Perspektive geebnet“, resümiert Sinderby.

Erfahren Sie hier mehr über NAVA